Als Christ anzeigen?

Veröffentlicht auf von Sascha

Letzens hatte ich eine Anzeige gegen einen aus meinem Dorf laufen, dabei habe ich mich gefragt, ob man als Christ überhaupt anzeigen sollte. Um diese Frage besser zu erörtern erzähle ich mal in kurzform von dem besagten Abend.

Es war Erntefest in unserem Dorf und wie das halt so ist trinkt man da auch etwas. Im Verlauf des Abends habe ich aus heiterem Himmel ein Schlag übers Auge bekommen. Daraufhin geng ich auf ihn zu und wollte fragen was das sollte. Doch dann kam der zweite Schlag genau ins Auge und ich konnte gar nichts mehr. Da bin ich erstmal weggegangen, das Auge tränte und ich konnte auf dem Auge auch erstmal nichts mehr sehen. Nach einiger Zeit ging es dann auch wieder und man ist sich den Abend aus dem Weg gegangen. Die Tage danach bin ich zum Augenarzt gegangen und der meinte ich solle ihn bloß anzeigen, weil ich noch Jahre später auf dem Auge erblinden kann. Gesagt getan. Anzeige war dann auch recht schnell am nächsten Tag erstattet.


Jetzt kam mein Gewissenkonflikt, darf ich als Christ überhaupt wen anders anzeigen? Christen sollen Ihren Streit untereinander ja nicht von einem ungläubigen Richter entscheiden lassen. Woher weiß ich ob er Christ ist? Man ruft ja nicht an und fragt .. also das erste problem war, was ist wenn er Christ ist? Durfte ich in diesem Moment die Bibel so wörtlich nehmen, oder sollte ich die Anzeige aufrecht erhalten? Des Weiteren steht in der Bibel, dass der Körper ein Tempel ist und ein Tempel heilig ist. Das heißt Gott wird über den richten, der den Tempel beschädigt. Also warum dann noch ein Richter? Wollte ich evtl. sehen, dass er zur rechenschaft gezogen wird? Ich weiß es nicht. Man hat sich aber auf der nächsten Party wieder verstanden und die Probleme aus der Welt geschafft. Darum habe ich auch meine Strafanzeige wieder zurück gezogen. Die Anzeige läuft trotzdem weiter, da es bei einer Körperverletzung von der Strafanwaltschaft ( Oder wie die heißen ) weiter geführt wird. Falls mein Auge nachträgliche Schäden davongetragen hat, ist es zumindest Aktenkundig gemacht. Naja, aber hätte ich die Anzeige wirklich zurückziehen sollen? Ich glaube, das ist immernoch jedem selber überlassen. Ich selber fühle mich gut dabei und das ist die Hauptsache.

( Die Aussagen der Bibel sind von mir sinngemäß geschrieben worden, da ich die Stellen nicht aufgeschlagen und rausgeschrieben habe )

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Veröffentlicht in Religion

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S
Natürlich darf man als Christ jemanden anzeigen. Es heißt zwar, man soll sich lieber außergerichtlich einigen wenn es möglich ist, aber das bedeutet nicht, dass man sich auf jeden Fall außergerichtlich einigen MUSS. Denn wenn man sich nicht einigen KANN, dann bleibt einem gar nichts anderes übrig, als es von einer übergeordneten Instanz verhandeln zu lassen. Es sei denn, man lässt das Unrecht geschehen und sagt "Ist mir doch egal." (Was du getan hast. Ob das schlau war, darüber kann man streiten.)<br /> <br /> Das letzte was Gott möchte ist, dass es auf der Welt ungerecht zugeht. Er lässt es zu als Teil unserer Freiheit auf unserer Erde, aber er möchte es nicht. Stellen wir uns doch mal vor wie eine Welt mit einem solchen Rechtssystem, wie du es dir als für die Christen gültig vorstellst, aussieht:<br /> <br /> Der Typ schlägt dir aufs Auge. Du zeigst ihn nicht an. Du erblindest und bist in Zukunft behindert. Die Gemeinschaft kommt für die ganzen Kosten auf, die du in Zukunft verursachst. Der Typ, der dich geschlagen hat, schlägt noch ein paar andere Leute, die ebenfalls erblinden.<br /> <br /> Jeder Straftäter muss bestraft werden. 1. Als Erziehungsmaßnahme für ihn und eventuelle Nachahmer. 2. Zur Wiedergutmachung seiner Tat. (z.B. Schmerzensgeldzahlungen an dich) 3. Um die Gesellschaft zu schützen, damit er keine weiteren Verbrechen begehen kann. (Gefängnis, Todesstrafe)<br /> <br /> Ohne Regeln an die sich jeder hält, kann keine Gesellschaft bestehen. Und Regeln, die nicht mit Gewalt durchgesetzt werden, sind keine wirksamen Regeln.<br /> Das wissen die Christen, bzw. Gott genau so wie es sich jeder Mensch schnell herleiten kann, und sei es indem er durch Fehler lernt. (Zum Beispiel die antiautoritären Mütter, die von ihren Kindern so lange geschlagen und getreten werden, bis ihnen klar wird: Wenn ich keine Grenzen setze, dann wird dieses Kind kein Mitglied unserer Gesellschaft werden) Genau deshalb ist die Bibel auch voller Regeln und Gesetze, sowie Strafen für die Übertretung von Gesetzen. Das von dir angesprochene "Auge für Auge, Zahn für Zahn" gibt dazu den Grundgedanken des Strafmaßes an, das was wir unter Gerechtigkeit verstehen. Es bedeutet nicht, dass man jemandem für einen ausgeschlagenen Zahn auch einen Zahn ausschlagen soll, sondern dass die Bestrafung dem entsprechen soll, was auch das Opfer erlitten hat. Das Strafmaß soll also weder zu lasch sein, noch zu hart. Sondern der Tat angemessen. Wir wissen alle was damit gemeint ist, wenn wir mal wieder hören, dass irgendwelche "Jugendlichen", die jemandem das Gesicht zertreten haben, sodass er sein Leben lang entstellt sein wird, mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Da sagt sich jeder: "Das ist nicht gerecht. Und jetzt gehen sie los, und zertrümmern dem Nächsten das Gesicht."<br /> <br /> Diese Erkenntnis erfasst das Grundprinzip hinter "Auge für Auge, Zahn für Zahn", genau so, wie wenn man für das Äußern seiner Meinung oder für das Fliehen aus einer gewalttätigen Ehe für 20 Jahre ins Gefängnis muss (wie in Arabien).<br /> <br /> (Dass "Auge für Auge, Zahn für Zahn" nichts anderes meint als das Strafmaß, sieht man übrigens schon, wenn man nur zwei Sätze später liest: "Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin ins Auge schlägt und zerstört es, der soll sie freilassen um des Auges willen." [2. Mose 21, 26] - Wäre es anders gemeint, würde hier doch stehen: "Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin ins Auge schlägt und zerstört es, dem soll ebenfalls das Auge ausgeschlagen werden." - Stattdessen wird hier aber der Schaden, den ein Herr durch den Arbeitsausfall seines Sklaven hat, gleichgesetzt mit dem Schaden, den der Sklave ohne Auge hat. Und dieser Schaden muss ausgeglichen werden, in diesem Fall auf diese Weise.)<br /> <br /> Ob ein Richter gläubig ist oder nicht, spielt übrigens auch keine Rolle, denn "Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet." [Römer 13,1]<br /> <br /> Das bedeutet also, man muss sich an die Gesetze des Landes halten, in dem man lebt. Und das bedeutet auch, dass "ungläubige" Richter über einen richten. Denn DASS gerichtet wird, ist Gottes Wille. Die Obrigkeit (Die Richter die über einen urteilen) ist von Gott angeordnet. Er will, dass es Obrigkeit gibt.<br /> <br /> Jesus sagt aber auch, da hast du ganz recht, dass Gott Rache nimmt und man deshalb nicht selbst rächen muss. Dass man die andere Wange hinhalten soll, wenn man geschlagen wird. Das kann aber nicht bedeuten, dass man jedes Unrecht zulassen soll. Jemanden auf die Wange zu schlagen ist nämlich etwas anderes, als jemandem ein Auge einzuschlagen. Auch ein Mörder MUSS bestraft werden, und sei es nur, um den Rest des Gesellschaft vor ihm zu beschützen. Man muss also unterscheiden, worum es wirklich geht. Man sollte möglichst friedlich bleiben und versuchen Konflikte zu lösen, anstatt sie durch Rachegelüste zu verstärken, aber das kann nicht darin ausarten, dass man nicht mehr normal leben kann.<br /> <br /> Die Dinge die konkret in der Bergpredigt angesprochen sind:<br /> 1. Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar: Das bedeutet nicht, dass man sich zusammenschlagen lassen soll, sondern dass man seinen Stolz runterschlucken und friedlich reagieren soll, wenn einen jemand provozieren will. Würde es bedeuten, in jedem erdenklichen Fall auf Gewalt zu verzichten, müsste man sich vielleicht sogar umbringen lassen. Oder zusehen wie jemand anderes umgebracht wird. Klingt das nach Gott? "Sieh zu und lass es geschehen, wenn man versucht dich oder jemand anderes zu töten oder zu verletzen." Jemanden auf die Wange zu schlagen tut weh und macht einen wütend, aber beeinträchtigt normalerweise nicht die Lebensqualität. Geht es um ernstere Dinge, kann doch ein gerechter Gott nicht wollen, dass man das Böse zulässt.<br /> <br /> 2. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel: Wenn jemand mit dir streitet und deinen Rock verlangt, dann gib ihm auch noch den Mantel. Dieses Prinzip, ganz umfassend angewendet, würde bedeuten: Man kann von einem Christen alles verlangen, und er müsste es hergeben und sogar noch mehr. "Hey, schönes Auto. Das will ich haben!" - "Okay, hier hast du es. Und nimm doch bitte noch meine Wohnung dazu." Absurd, oder? Die Christen würden so verarmen und verhungern. Aber konkret betrachtet, direkt auf das Beispiel bezogen: Wer braucht einen Rock? Der, der arm ist und der friert, derjenige der in Not ist. Wenn dich also jemand um Hilfe bittet und du durch das Leisten dieser Hilfe Unannehmlichkeiten erleidest (ohne Rock wird ja auch dir kalt, außerdem ist es ja deiner), so tu es trotzdem. Überwinde deine Gier, das steckt dahinter, nicht sich von jedem bescheißen zu lassen.<br /> <br /> 3. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei: Ähnlich wie Punkt 2, nur diesmal nicht auf materielle Hilfe bezogen, sondern auf Hilfe die man durch Zeit leisten kann.<br /> <br /> 4. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will: Fasst die beiden Punkte noch einmal zusammen.<br /> <br /> In der Ganzen Bergpredigt geht es darum, seine Feinde zu lieben. "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." ist die Regel, die allen anderen Regeln zugrunde liegt. Das bedeutet aber nicht, dass man zulässt, dass der andere alles mit einem anstellen kann. Es beinhaltet nämlich genau so die Anweisung sich selbst zu lieben, und wer sich liebt, der schadet sich nicht.<br /> <br /> <br /> Ganz konkret auf deinen Fall bezogen würde ich also sagen, dass es durchaus auch in christlichem Sinne richtig gewesen wäre ihn anzuzeigen, denn wenn er Schaden verursacht, dann muss er auch dafür aufkommen. Hätte er nur deinen Stolz verletzt und wäre der einzige Grund, warum du zur Polizei gehst, der, dass es ihm schlecht geht, damit du dich besser fühlen kannst, wäre es falsch gewesen. Da er aber einen wirklichen Schaden an deinem Auge hinterlassen haben könnte, verpflichtet dich deine Liebe zu dir selbst, dass du nicht selbst alle möglichen entstehenden Kosten dafür tragen musst. Dazu kommt wie gesagt die Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, dass Straftäter nicht einfach frei rumlaufen und weitere Straftaten begehen.
Antworten
S
<br /> <br /> Erst einmal danke für diesen konstruktiven Beitrag und die damit verbundene Arbeit. Es freut mich sehr, dass sich Leute so viel Mühe und Gedanken bei meinen Artikeln machen. Ich habe dein<br /> Kommentar sehr gerne gelesen. Zu meiner Antwort:<br /> <br /> Ich habe nie gesagt, dass man als Christ niemand anzeigen soll. Ich habe lediglich meine Zweifel an meiner Anzeige angesprochen. Ich verstehe deine Argumentation durchaus und sehe es im großen<br /> und Ganzen genauso. Theoretisch habe ich ja auch keine Verletzung davon getragen, der Augenarzt meinte nur, dass ich evtl. erblinden kann. Jedoch ist der Schlag aktenkundig gemacht worden und<br /> falls es passiert, was ich wirklich nicht hoffe, dann kann er dann auch zur rechenschaft gezogen werden.<br /> <br /> Du schreibst auch, dass eine Anzeige den Typen abgeschreckt hätte weitere Straftaten zu begehen. Da muss ich nochmal auf meinem Artikel verweisen und sagen, dass die Strafanwaltschaft den Fall<br /> weiter macht. Denn Körperverletzung gehört zu den Delikten, die von ihnen weiter verfolgt werden. Somit habe ich eigentlich nur eine höhere Strafe, durch meine zurückziehen der Anzeige, und das<br /> eigentlich zu zahlende Schmerzensgeld verworfen.<br /> <br /> Ausserdem habe ich in den letzten sätzen geschrieben, dass es jeder für sich selbst wissen muss.<br /> <br /> <br /> <br /> <br />
K
Ich würde generell niemanden anzeigen, auch wenn ich keine Christin wär, weil warum hat der Staat das Recht an den Menschen dieses Verbrechen zu begehen und sie z.B. einsperren, die leben doch nur EINMAL und der Staat macht denen das kaputt...woher nimmt er sich das Recht??? Ich halte einfach nichts vom Staat und Politikern, deshalb kann ich schwer was dazu sagen...Gott urteilt über die Taten der Menschen! Der Staat soll die Pfoten davon lassen, das Gericht kommt nach dem Tod!
Antworten
S
<br /> Ja, aber wenn die Politiker Atheisten sind und somit an das Gericht Gottes nicht glauben, dann ist es nachzuvollziehen, dass sie während des Lebens Gerechtigkeit möchten.<br /> Woher er sich das Recht nimmt? Vielleicht weil Menschen nicht mit der Freiheit umgehen können und damit weitere Straftaten wie Mord etc. unterbunden werden.<br /> <br /> <br />